Prompting-Grundlagen: Bessere Ergebnisse in 5 Minuten

TL;DR — Kurzantwort

Mit der RAFT-Formel holst du deutlich bessere Antworten aus ChatGPT, Claude und Co. Rolle, Aktion, Format, Tonalität — plus konkrete Vorher/Nachher-Beispiele und einen RAFT-Assistenten-Prompt.

01. März 2026Aktualisiert: 29. Oktober 20266 Min. Lesezeitvon Nauti

Ein klarer Prompt kann dir helfen, passendere Antworten zu erhalten. RAFT bündelt dafür vier Angaben: Rolle, Aktion, Format und Tonalität.

💡 Prompt oder Automation?

Wenn du wissen willst, wann ein Prompt reicht und wann du besser ein Workflow-Tool oder einen Agenten nutzt, lies zusätzlich AI Automation starten: Der einfache Einstieg ohne Tool-Chaos.

🎬 Wenn ein AI-Video-Prompt blockiert wird

Bei Video-Tools reicht gutes Prompting manchmal nicht, weil Sicherheitsfilter die ganze Szene prüfen. Dann hilft der Artikel AI-Video-Prompt blockiert: Was tun?.

Merke dir: RAFT — Rolle, Aktion, Format, Tonalität.

1. Rolle 🎭

Sag der AI, wer sie sein soll.

Warum? AI-Modelle passen ihren Stil, ihr Vokabular und ihre Perspektive an die zugewiesene Rolle an. Ein "Marketing-Experte" antwortet anders als ein "Lehrer" oder ein "Jurist".

Beispiele:

  • Du bist ein erfahrener Content-Stratege für B2B-SaaS-Unternehmen.
  • Du bist ein skeptischer Investor, der Businesspläne kritisch bewertet.
  • Du bist ein Deutsch-Sprachcoach, der auf Grammatik und Klarheit achtet.

2. Aktion ✅

Beschreibe die konkrete Aufgabe — so präzise wie möglich, mit klaren Verben: erstelle, analysiere, fasse zusammen.

Warum? Vage Aufgaben = vage Ergebnisse. Je genauer du beschreibst, was du willst, desto treffsicherer die Antwort.

Vage: Schreib mir einen Post.
Präzise: Schreibe einen LinkedIn-Post über die Herausforderungen von Remote-Work-Management. Starte mit einer provokanten These. Länge: 150-200 Wörter.

3. Format 📐

Gib an, wie die Antwort strukturiert sein soll.

Warum? Ohne Format-Angabe macht die AI, was sie für richtig hält — das passt selten genau.

Beispiele:

  • Antworte in Bullet Points, max. 5 Punkte.
  • Schreibe es als E-Mail mit Betreff, Anrede und Signatur.
  • Erstelle eine Tabelle mit 3 Spalten: Vor, Nach, Begründung.
  • Antworte auf Deutsch, maximal 100 Wörter.

4. Tonalität 🎙️

Steuere den Kommunikationsstil der Antwort.

Warum? Derselbe Inhalt klingt völlig anders, je nachdem ob er formell, locker, technisch oder motivierend geschrieben ist. Ohne klare Tonalitäts-Angabe entscheidet die AI — und trifft oft nicht deinen Ton.

Beispiele:

  • Schreibe locker und direkt, wie in einem Chat unter Kollegen.
  • Professionell und sachlich, für einen Geschäftsbericht.
  • Motivierend und energiegeladen, wie ein Coach.
  • Technisch präzise, für ein Developer-Publikum.
💡 Nicht alle 4 Bausteine sind immer nötig

Für einfache Aufgaben reichen 2-3 Bausteine. Für komplexe, wichtige Tasks lohnt es sich, alle 4 bewusst einzusetzen. Starte klein und ergänze, wenn das Ergebnis nicht passt.

Beispiel 1: E-Mail schreiben

❌ Vorher (schlechter Prompt):

Schreib mir eine E-Mail an einen Kunden.

Ergebnis: Generisches Template mit Platzhaltern, das du fast komplett neu schreiben musst.


✅ Nachher (mit RAFT):

Du bist ein professioneller Account Manager mit Fokus auf Kundenbindung. [Rolle]

Schreibe eine Re-Engagement-E-Mail an einen Kunden, der seit 3 Monaten nicht reagiert hat. Sein letzter Kauf war im September, davor war er sehr aktiver Kunde (4x/Jahr). Wir bieten B2B-Marketingberatung. Die E-Mail soll nicht aufdringlich klingen und echtes Interesse zeigen. [Aktion]

Kurze E-Mail (max 150 Wörter), keine Floskeln, mit konkretem Mehrwert-Angebot als CTA. [Format]

Persönlich und wertschätzend, wie ein Partner der sich ehrlich meldet — nicht wie ein Sales-Bot. [Tonalität]

Ergebnis: Ein konkreterer E-Mail-Entwurf. Prüfe vor dem Versand Fakten, Angebot, Empfänger und Ton.


Beispiel 2: Ideen generieren

❌ Vorher:

Gib mir Content-Ideen für Social Media.

Ergebnis: 10 generische Ideen wie "Teile Tipps", "Poste Testimonials" — nützlos.


✅ Nachher:

Du bist ein Social-Media-Stratege für B2B-Brands. [Rolle]

Generiere 10 LinkedIn-Post-Ideen für eine Personalberatung für die Pharmaindustrie. Zielgruppe: HR-Leiter und C-Level in mittelgroßen Pharmaunternehmen. Fokus auf Thought Leadership, keine offensichtliche Eigenwerbung. [Aktion]

Liste mit Titel und 1-Satz-Beschreibung pro Idee. [Format]

Selbstbewusst und kompetent, mit einer Prise Humor — keine langweiligen Corporate-Phrasen. [Tonalität]

Ergebnis: 10 spezifische, sofort umsetzbare Ideen für genau deine Nische.


Beispiel 3: Text überarbeiten

❌ Vorher:

Verbessere diesen Text.

Ergebnis: AI ändert willkürlich Dinge, die du vielleicht gar nicht wolltest.


✅ Nachher:

Du bist ein professioneller Lektor mit Fokus auf Unternehmenskommunikation. [Rolle]

Überarbeite den folgenden Abschnitt aus unserem Jahresbericht (B2B-Kunden): Kürzere Sätze, aktivere Verben, kein Passiv, kein Fachjargon. Inhalt darf sich nicht ändern. [Aktion]

[Text hier einfügen]

Zeige Vorher/Nachher für jeden Absatz separat. [Format]

Klar und direkt, wie ein erfahrener Redakteur — sachlich, nicht belehrend. [Tonalität]

⚠️ Diese Fehler kosten dich Zeit

Zu vage sein: "Schreib etwas über AI" → Was soll es sein? Für wen? In welchem Ton?

Zu viel auf einmal: Ein riesiger Prompt mit 10 verschiedenen Anforderungen führt oft zu mittelmäßigen Ergebnissen bei allem. Teile komplexe Aufgaben auf.

Kein Feedback geben: Wenn das erste Ergebnis nicht passt — sag warum. "Zu formal" / "zu kurz" / "ich meinte eigentlich X" führt meist sofort zum besseren Ergebnis.

Die AI nicht als Sparringspartner nutzen: "Was fehlt in meinem Konzept?" oder "Welche Einwände könnte mein Chef haben?" sind oft wertvoller als "Schreib XY".

Prompting ist kein One-Shot-Prozess. Der beste Workflow:

  1. Ersten Prompt schreiben (mit RAFT)
  2. Ergebnis lesen — was fehlt? Was ist falsch?
  3. Follow-up-Prompt mit spezifischem Feedback: "Mach es kürzer" / "Wechsle auf einen informellen Ton" / "Füge ein Beispiel hinzu"
  4. Speichern was funktioniert — gute Prompts als Templates ablegen
💡 Custom Instructions / System Prompts

Viele AI-Tools erlauben es, Standard-Instruktionen zu hinterlegen. Trage dort dein Profil, deinen Ton und deine häufigsten Anforderungen ein — dann musst du sie nicht bei jedem Prompt neu erklären.

Kopiere diesen Prompt als Vorlage oder speichere ihn als Custom GPT:

Du bist mein Prompting-Coach. Wenn ich dir eine Aufgabe stelle, die nicht im RAFT-Format formuliert ist, dann:

1. Formuliere meine Anfrage automatisch in das RAFT-Format um
2. Frage nach fehlenden Details (Iteration-Loop)
3. Führe dann die Aufgabe aus

RAFT-Struktur:
- Rolle: [Expertise/Perspektive]
- Aktion: [Konkrete Aufgabe]
- Format: [Gewünschte Struktur/Länge]
- Tonalität: [Kommunikationsstil]

Beispiel meiner Umformulierung:
Original: "Schreib eine E-Mail"
RAFT-Version: "Du bist Kommunikationsexperte (R). Verfasse eine professionelle Follow-up E-Mail (A) in maximal 150 Wörtern mit Betreff und 2 Absätzen (F). Nutze einen freundlich-professionellen Ton (T)."

Starte jetzt mit der Analyse und Umformulierung meiner nächsten Anfrage.
🚀 Nauti's Take

Prompting ist eine Fähigkeit, keine Magie. Prüfe bei deinen nächsten Aufgaben bewusst Rolle, Aktion, Format und Tonalität. Vergleiche die Entwürfe anhand deiner Anforderungen und halte fest, welche Angaben dir bessere Ergebnisse liefern.

Der wichtigste Shift: Hör auf, AI wie eine Suchmaschine zu nutzen. Nutze sie wie einen sehr kompetenten Kollegen, dem du ein konkretes Briefing gibst. Je besser dein Briefing, desto besser die Arbeit.

Ressourcen & Links

Ähnliche Artikel

Hinterlasse einen Kommentar